Schein oder Sein?

Das Thema Flüchtlinge beschäftigt uns weiter. Jetzt umso mehr, da eine seltsame Bewegung von sich reden macht, die Parolen verbreitet, die doch sehr stark an rechtes Gedankengut erinnern und die im Übrigen jeder Grundlage entbehren. Im Zusammenhang mit dem Thema Flüchtlinge geistern viele Mythen umher – Zeit, mal einige aus der Welt zu räumen.

 

„Euch geht es hier so gut! Ihr habt überhaupt keinen Grund zu betteln!“ sagte neulich eine ältere Dame zu einer ausländischen Frau, die vor dem Eingang von Netto stand und dort um ein bisschen Kleingeld bat. Die Ansicht, dass sich Migranten hier bei uns wie die Made im Speck bewegen, ist weit verbreiten. Die Realität sieht allerdings anders aus und wer noch daran zweifelt, dem lege ich den Artikel über die ärztliche Versorgung von Flüchtlingskindern ans Herz, der kürzlich in der ZEIT erschienen ist. Ich schäme mich in Grund und Boden, wenn ich lese, wie unser Land, das zu den reichsten der Erde zählt, mit Menschen – vor allem auch mit Kindern – umgeht, die alles verloren haben. Ihre Heimat, Familienangehörige, ihr Hab und Gut und nun nimmt man ihnen hier auch noch ihre Würde. „Pfui Deutschland“ möchte man da sagen.

Dass der Islam unser Land überrennen würde, ist ein Argument der aktuellen Pegida-Bewegung. Wen meinen sie damit? Die fünf Prozent Muslime, die in Deutschland überwiegend friedlich leben und integriert sind? Ja, schon möglich, dass es mehr werden. Na und? Wer sind wir denn, dass wir Mauern errichten? Mit welchen Recht? Ist es denn schon vergessen, dass vor nicht allzu langer Zeit wir diejenigen waren, die auf die Hilfe und das Wohlwollen anderer Nationen angewiesen waren? Dass nun ausgerechnet in Dresden, dort wo mit der Frauenkirche ein Mahnmal für die zerstörerische Kraft von Ausgrenzung und Vertreibung steht,  nun wieder Parolen gerufen werden, will mir nicht in den Sinn.

Noch ein Mythos: Fast jeder der straffällig wird, ist angeblich ein Ausländer. Die Statistik sagt dazu, dass es jeder Vierte ist. Nun muss man allerdings wissen, dass diese Statistik auch all jene erfasst, die gar nicht hier in Deutschland leben: organisierte Banden, Internetbetrüger, Touristen. Und schon hinkt das Argument. Straffälligkeit hat nichts mit dem Pass zu tun.

Und was Herr Bachmann, der die Dresdner Pegida-Bewegung anführt, mit „Vollversorgung“ von Flüchtlingen, während sich deutsche Senioren „nicht mal ein Stück Stollen leisten“ können meint, das hätte ich gern mal erklärt. Es ist nämlich eher so, dass unsere Sozialkassen von der Zuwanderung profitieren. Satte 22 Milliarden Euro flossen 2012 durch Steuern und Sozialabgaben, die Menschen ohne deutschen Pass zahlten, zusätzlich in unsere Sozialkassen.

Man kann nur hoffen, dass sich genug Menschen finden, die anders denken. Die eins und eins zusammenzählen können und den Schein vom Sein trennen. Die sich der Schafherde, die blöckend hinter solchen Parolen her trottet und Menschen diskriminiert, die wir eigentlich mit offenen Armen empfangen sollten, entgegenstellen und ihnen Paroli bieten. Nicht nur mit Argumenten, sondern mit Handlungen. Wir sind jedenfalls dabei und freuen uns auf jeden Flüchtling, dem wir unter die Arme greifen können. Dem wir helfen können, sich in einem fremden Land wohlzufühlen und sich zu integrieren.

 

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